Mit anabolen Steroiden aus dem heimischen Labor bestreitet ein Fitnesstrainer über Jahre hinweg einen schwunghaften Handel im Internet. Doch als er endlich aus seinem Dealer-Dasein aussteigen will, sind ihm Polizei und Zollfahndung längst auf den Fersen.
Mit anabolen Steroiden aus dem heimischen Labor bestreitet ein Fitnesstrainer über Jahre hinweg einen schwunghaften Handel im Internet. Doch als er endlich aus seinem Dealer-Dasein aussteigen will, sind ihm Polizei und Zollfahndung längst auf den Fersen. Danny J. ist ein starker Mann. Das kann man sehen. Wie hineingegossen sitzt er in seinem dunklen Anzug auf der Anklagebank des Frankfurter Amtsgerichts. Danny J. war mal deutscher Vizemeister im Bodybuilding, was nicht viel heißen mag, weil es in diesem Milieu ähnlich viele Verbände wie beim Boxen gibt. Er hat auch mal den Rhein-Neckar-Pokal der Muskelprotze gewonnen. Aber deshalb steht er nicht vor Gericht. Sondern wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.
Im Jahre 2004 hatte der heute 33-Jährige eine Idee. Der Fitnesstrainer hat noch was vor im Leben, er macht nebenbei ein Heilpraktiker-Studium, zudem hatte er bereits während einer Ausbildung Erfahrungen als pharmazeutischer Assistent gesammelt. Er macht sein Hobby zum Beruf. Die anabolen Steroide, die er selbst spritzt, kann er auch billiger bekommen. Und teuer verkaufen.
Im Keller des Hauses seiner Eltern in Kronberg richtet Danny J. ein Doping-Labor ein. Die Rohstoffe bezieht er von einem chinesischen Händler, die Gerätschaften kauft er bei deutschen Fachfirmen. Danny J. weiß, was er tut. Vor Gericht schmeißt er mit Wörtern wie „Schmelzpunktbestimmung“ und „Molekulargewicht“ um sich. Auch „meine Kunden haben genau gewusst, was sie tun“, sagt er vor Gericht. Seine Kunden rekrutiert er im Internet, in einem Bodybuilding-Forum, in dem die starken Männer chatten und das mit der Adresse www.anabolicdatabase.com nur wenig Hehl aus seinem Behufe macht.
Kunden aus dem Internet
Die Geschäfte laufen schleppend an. Etwa 5000 Euro kommen 2004 zusammen. Ein Jahr darauf verdient Danny J. bereits 3000 Euro im Monat. Es kommt soviel zusammen, dass ihm seine damalige Freundin Monika P. helfen muss. Sie lässt sich Pakete auf ihre Arbeit schicken, eröffnet Konten. Als Vorstandsassistentin einer bekannten Unternehmensberatung ist sie tagtäglich mit moralisch noch fragwürdigeren Praktiken konfrontiert, zudem macht die Liebe sie blind. Sie hat sich, sagt sie, Zeit ihres Lebens als „zu klein, zu pummelig und nicht begehrenswert“ betrachtet. Und dann kommt dieser große, starke Mann, wird zum „Fels in meinem Leben“. Er tröstet sie, als ihre Schwester an Krebs stirbt, er hilft ihr, den kranken Vater zu pflegen. Bereichert hat sie sich nie. Sie verdient immer noch mehr als ihr Freund, ganz legal. Dass dessen Geschäfte nicht hasenrein sind, weiß sie. Es ist ihr aber egal.
Danny J. versucht, sein Dealer-Dasein zu beenden und sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Aber seine Sport-Boutiquen machen pleite. Nur seine Steroide gehen weg wie warme Semmeln. Also macht er weiter. Als er nach eigenen Angaben endlich aussteigen will, ist es zu spät, da sind ihm Polizei und Zollfahndung schon längst auf den Fersen.
Das Gericht verurteilt Danny J. zu einer Freiheitsstrafe von zwei, Monika P. zu einem Jahr, beides auf Bewährung. Zoll und Steuer wollen von den beiden auch noch mehr als 50.000 Euro. J.’s Heilpraktiker-Karriere liegt in Trümmern, und auch die Beziehung ist vorbei. Aber fallen lassen will Monika P. den starken Mann immer noch nicht. „Ich werde ihm jetzt eine gute Freundin sein – so, wie er in schweren Zeiten für mich da war.“
Quelle: www.fr-online.de