Dopinghändler auf freiem Fuß!

Posted by admin | Anabolika | Donnerstag 5 Januar 2012 00:08

Überraschend hat ein 33-jähriger Angeklagter im Prozess um internationalen Drogenhandel gestanden. Seit gut einem Jahr hatte er in U-Haft gesessen. Monatelang hatten Fahnder gegen den Dopingring ermittelt.

Bonn – Der Wunsch, nicht auch das zweite Weihnachtsfest in Folge in Untersuchungshaft verbringen zu müssen, wird wohl erheblich dazu beigetragen haben, dass es am Donnerstag vor dem Landgericht in einem Prozess um internationalen Drogenhandel zu einem überraschenden Geständnis gekommen ist: Ein 33 Jahre alter Kaufmann aus Bonn hat am 19. Verhandlungstag sei eisernes Schweigen gebrochen und eingeräumt, Mitglied einer Organisation gewesen zu sein, die über das Internet weltweit Anabolika verkauft hat.

Seit gut einem Jahr hatte der Angeklagte in Untersuchungshaft gesessen: Damals hatten die Fahnder, die monatelang unter Führung des Bundeskriminalamtes gegen den Dopingring ermittelt hatten, nicht nur bei dem Betreiber mehrerer Firmen aus dem Textilbereich vor der Tür gestanden: Zeitgleich wurden in den USA, Zypern, Österreich, Frankreich, Spanien, den Niederlanden und Irland Häuser durchsucht und Verdächtige festgenommen.

Ab Mai 2008 soll sich der 33-Jährige des Dopinghandels und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz schuldig gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass etwa 190 000 Kunden vor allem aus der Kraftsportler- und Bodybuilderszene bei dem Internethändler anabole Steroide gekauft hatten. Zwischen Mai 2008 und Dezember 2010 sollen illegale Mittel im Wert von 43 Millionen US-Dollar verkauft worden sein.

Der Angeklagte hat nun bestätigt, dass er zuletzt sogar als Buchhalter der Organisation tätig war. Nach eigenen Angaben hatte er sich bei dem Internetanbieter zunächst für den Eigenbedarf eingedeckt. Als er per Mail nachgefragt habe, wie die Konditionen bei der Abnahme größerer Mengen seien, habe sich der mutmaßliche Kopf des Rings – ein 46-Jähriger mit israelischem Pass, der sich scheinbar immer noch auf freiem Fuß befindet und dem der Angeklagte nie persönlich begegnet sein will – bei ihm gemeldet.

Daraufhin habe er erst einmal die bis dahin nur in englischer und russischer Schrift existierende Internetseite ins Deutsche übersetzt. Dann ist er innerhalb der Organisation aufgestiegen, betreute unter anderem die Kundendaten, bevor er zum Buchhalter wurde.

Seinen Verdienst – laut Anklage verdiente er im Tatzeitraum knapp 300 000 Euro – hat der Kaufmann nach eigenen Angaben in seine Textilgeschäfte gesteckt. Die 115 000 Euro, die bei der Durchsuchung in seinem Schließfach gefunden wurden, stammen nicht aus den Dopinggeschäften, so der 33-Jährige. Er beteuerte, dass dieses Geld seinem Vater gehöre. Dieser habe ihm – dem ältesten Sohn der Familie – das Bargeld nach und nach für den Fall anvertraut, dass ihm etwas zustoße.

Aufgrund seines Geständnisses wird der Angeklagte die kommenden Feiertage nun voraussichtlich mit seiner Familie verbringen können. Die Richter ordneten an, dass er auf freien Fuß gesetzt wird, sobald er mehrere Auflagen erfüllt hat. Unter anderem muss er 5000 Euro Kaution zahlen und seine Ausweispapiere abgeben.

Quelle: www.ksta.de / Von Benjamin Jeschor

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